2 Kommentare

Sommer im Herzen

Dieser Sturm macht mir zu schaffen. Es pfeift, es friert, es ist kalt. Und ich mittendrin. Ohne Jacke. Mit freiem Oberkörper. Immer gegen den Wind laufend. Den Winter im Gesicht spürend. Mit Sommer im Herzen.

Was mich antreibt, wurde mir vor langer Zeit schon genommen. Nur ein Wahnsinniger würde weiter machen. Vielleicht bin ich das. Wahnsinnig. Wahnsinnig voller Liebe, Güte, Zuneigung. Wegen dir. Du bist Schuld. Du bist der Grund. Du treibst mich an. Tag für Tag. Jede Minute.

Es ist schon lange her, dass wir hier gemeinsam gesessen haben. An deinem alten, klapprigen Tisch. Ich mochte ihn. Er hatte was von Geschichte. Aber kaum warst du weg, haben sie ihn abgeholt. Auch die anderen Sachen. Alles weg. Ich konnte ein Bild von dir retten. Alt, sehr alt. Ich erkenne dich kaum darauf. Trotzdem trag ich es immer bei mir. Wie einen Talisman.
Abends stell ich es vor mir auf. Dann spreche ich mit dir. Über dies und das. Über alles. So als wärst du noch da.

Aber du bist es nicht. Du bist weg. Fort. Nicht mehr hier. Was bleibt, sind meine Erinnerungen. An dich. An unser Leben. Sie werden niemals sterben. Nicht, solange ich noch bin. Und sollte auch ich einmal gehen müssen, dann erzähl ich dir von meinen Abenteuern. Aber wahrscheinlich weißt du sowieso schon alles. Denn man sagt, du würdest aufpassen. Beobachten. Früher konntest du das sehr gut. Warum also sollte es nun anders sein.

Der Berg wird immer steiler. Doch ich gebe nicht auf. Ich bin fast am Ziel. Gleich bin ich da. Beinahe.

Hätte ich nie gemacht sowas. Früher. Bergsteigen. Klettern. War ich überhaupt nicht der Typ dafür. Aber ich habe in den letzten Jahren viel getan, um mich des Lebens zu erfreuen. Um zu sehen, was es alles gibt. Was man erleben kann. Was man tun kann.
Eigennützig, natürlich. Ich wollte mich ja ablenken. Aber es ging nicht wirklich. Bis ich gemerkt habe, dass du immer bei mir bist. Weil ich dich in meinem Herzen trage. Für immer.

Ein kleines Stück noch. Ein paar Meter. Dann ist es geschafft und ich bin oben. Ganz oben. An der Spitze. Ein kleines Lächeln kann ich mir nicht verkneifen.
Plötzlich bricht ein Stein. Mein Fuß rutscht ab. Ich hänge. Den Blick gen Himmel. Ein zweiter Stein bricht. Ich falle. Den Blick gen Himmel.

Und der Wind pfeift mir um die Ohren. Wie ich sie hasse, diese Kälte. Aber ich trage Sommer im Herzen.

Advertisements

Über Aiden Corey

Emotionsjunkie • Gefühlshändler • Soziologe • Philosoph • International anerkannter Experte für Gedöns und Zeug

2 Kommentare zu “Sommer im Herzen

  1. Wie tief eine Liebe sein kann, dass man sich im Fall mehr frei als beängstig fühlen kann. Ganz toll.

  2. schön, jemanden bei sich so im herzen zu tragen. bewegt mich.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: