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Ein ganz normaler Held

Es ist halb sechs. Sein Wecker klingelt. Er öffnet seine Augen. Er bewegt seinen kleinen Finger.
Es ist halb sechs. Sein Wecker klingelt, doch er kann ihn nicht ausstellen.

Die Tür öffnet sich, jemand kommt hereingestürmt und drückt auf den Wecker. Gott sei dank.
Schon seit zehn Minuten hat er geklingelt.
Dieser jemand fragt, wie es ihm gehe. Er antwortet, wie es einem so gehe, wenn die Sonne scheint und er lächelt.
Ein zufriedener Mensch liegt dort.
Schnell werden Schranktüren geöffnet und geschlossen. Pulli, Jeans und Haare kämmen.

Jemand reicht ihm die Hand und hält ihn fest in seinen Armen.
Er denkt an dieses Mädchen. Wenn sie dies tun würde. Nur ein einziges Mal.

Am Frühstückstisch sitzt schon der nächste jemand. Er hat Brötchen und Milch bereitgestellt.
Schwer beginnt dieser sonnige Tag. Er fühlt sich ein wenig träge. Besonders seine Beine hängen durch.
Leise säuselt ein Radio eins dieser schon zum tausendsten Mal gehörten Lieder.

Und wie jeden morgen macht er sich auf den Weg. Er fährt los. Am Eingang steht sie und
lächelt ihn fröhlich an.
Ihre Hand greift die eines großen Mannes. Die beiden scheinen glücklich zu sein. Verliebt, wie sie sich ansehen.

Beim Mittagessen sitzt sie neben ihm. Er schaut in ihre Augen. Diese wunderschönen braunen Augen. Es sind genau jene,
an die er jede Minute denkt. Sie fragt ihn, wie er es schaffe, immer so fröhlich zu sein.
Jeder solle sich eine Scheibe von ihm abschneiden. Sagt sie. Die Antwort. Sie ist in seinem Kopf. Du bist es. Du.
Die Antwort. In seinem Mund. Ein kurzes Schulterzucken. Sie lächelt ihn an. Aber ihre Augen sind traurig.

Er würde sie glücklich machen. Ihr Held sein. Wenn er nur könnte. Wenn er nur einmal aufstehen könnte. Um sie in den
Arm zu nehmen.

Jemand hält seine Hand. Während die andere den Pulli über seinen Kopf streift. Ein komisches Gefühl.

Seine Augen sind müde. Bevor er sie schließt, denkt er noch einmal an ihre Augen. Diese braunen Augen. Wie sie ihn anschaut.
So viel Gefühl liegt darin.
Er wäre ihr Held. Jemand der ihre Kinder in den Armen hält. Einmal wird sie glücklich sein. Denkt er. In ein Paar Jahren.

Er wäre ihr Held. Würde er nicht in ein paar Jahren sterben.

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3 Kommentare zu “Ein ganz normaler Held

  1. Hach.. deine Texte.. sie stimmen mich immer nachdenklich, denn sie sind so gut und so lebensnah.

    Danke für diesen schönen Text.

    Ich habe auch einen Helden, aber er ist nicht meiner.

  2. zum seufzen….

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