4 Kommentare

9 10 2011

Im ersten Moment machst du dir um nichts Sorgen, du hast alles unter Kontrolle, alles ist in bester Ordnung.
Boy läuft leise im Hintergrund, du bist locker und sorglos.
Du siehst den Regen auf die Frontscheibe des Autos plätschern, die Scheibenwischer, die die Sicht nach Vorne erleichtern sollen.
Sonntag – grau, kalt, ein Wetter, wo nur wenige Leute unterwegs sind.

Es war ein langer Tag, doch allmählich nähert sich das traute Heim – Vorfreude, auf eine heiße Schokolade vor dem Kamin genießen zu können und ein gutes Buch zur Hand zu haben, entwickelt sich.
Du befährst schon eine Weile eine Landstraße, dir fällt auf, dass der Tank auf Reserve steht und entscheidest dich für einen Umweg, um noch an einer Tankstelle halten zu können.
Kurvenreiche Strecke, angemessenes Tempo, doch regnet es in Strömen und es scheint, als würde es kein baldiges Ende geben.
Du bist immer noch in vollster Entspannung.

Im nächsten Moment ändert sich dieser Zustand jedoch radikal.
Die Hände ans Lenkrad gefesselt, vergebliche Versuche, um die Kontrolle über den Wagen nicht zu verlieren.
Deine Welt bleibt für einen kurzen Augenblickt stehen, ein Schockmoment, sie erstarrt.
Du nimmst einen ohrenbeteubenden Knall wahr. Doch bist du wie gelähmt.
Alles um dich herum fliegt, die im ersten Moment noch so heile Welt dreht sich um 360 Grad. Alles geht so schnell, zu schnell.
Du kneifst die Augen zu, du kneifst sie so fest zu, dass es schmerzt. Du hörst Scheiben zersplittern, aufplatzen, Schreie und immernoch dreht sich alles.
Und auf einmal ist alles still. Schwarz und still. Du machst die Augen auf und es ist alles schwarz.
Deine Hände zittern wie Espenlaub. Schmerzen, die deinen kompletten Körper erfüllen.
Der erste Gedanke, der sich in deinen Kopf quetscht: Jetzt ist alles vorbei.
Das war’s. Aus dieser Geschichte kommst du nicht lebend raus.
Nach Minuten des Bewusstsein Verlustes brichst du in Hysterie aus, Panik, du siehst Blut, du hast Angst, dein ganzer Körper zittert.

Ich kann nicht beschreiben, wie ich aus dem, an einem Baum zerprallten Auto, rausgekommen bin und auch nicht, wie ich den 8 Meter Abhang raufgekommen bin, es war matschig, rutschig und ich war schwer verletzt, doch so sehr in Trance, dem Tode nicht in die Augen blicken zu wollen.

Strömender Regen, der auf eine auf der Straße liegenden Plane prasste und ein Händchen, dass darunter hervorschaute.
Ich verlor das Bewusstsein und wachte eine Woche später wieder auf.

Ein Zusammenstoß auf nasser Straße, mit einer jungen Motoradfahrerin, die ihr Können strapazierte, ausgelöst durch eine Ölspur.

Nach dem Tod entweicht die Seele aus unserem toten Körper, schwebt durch die Atmosphäre wie flüssiges Silber und wenn es die Grenze des Universums erreicht hat, wird es aufgeteilt in Sternenstaub und die Stücke werden eins mit der unendlichen Weite.
Das ist, was ich wirklich hoffe.

Das ist das Ende deines Lebens, obwohl du überlebt hast.

Mama sagte, ich hab nun, ab diesem Tag an, zwei mal im Jahr Geburtstag.

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Über weisserzimt

Narzisstischer Dickkopf mit Hang zur Musik und Fotografie.

4 Kommentare zu “9 10 2011

  1. Ich bin geschockt!!
    Wie du es beschrieben hast als
    wäre man dabei gewesen es ist erschreckend.
    Und doch ein Wunder, wenn man es überlebt!!
    Toller Blog❤.

  2. Sehr bewegend!

  3. Wahnsinn.. Das geht unter die Haut..
    Berührt mich sehr ..!

  4. die geschichte ist echt krass!!!
    bin voll betroffen

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